Das European Heritage Project hat seine Sammlung um einen außergewöhnlichen Neuzugang erweitert: das sogenannte Orlacher Missale, ein seltenes Messbuch aus dem späten 11. Jahrhundert. Als bedeutendes Zeugnis mittelalterlicher Buch- und Kulturgeschichte stellt die Handschrift einen wertvollen Beitrag zur Erforschung des europäischen Erbes dar. Es handelt sich um das einzige vollständig erhaltene Missale aus dieser Zeit. Es eröffnet einen neuen Blick auf das Liturgieverständnis aus der Zeit vor dem Wormser Konkordat (Investiturstreit) und erschließt bisher unbekannte liturgische Vertonungen.
Dem European Heritage Project gelang es, einen bereits vereinbarten Verkauf an ein chinesisches Unternehmen zu vereiteln. Damit wäre das Werk für unabsehbare Zeit dem öffentlichen Zugriff entzogen worden und seiner Ursprungsregion dauerhaft verloren gegangen.
Das European Heritage Project versteht Kulturerbe nicht ausschließlich als Bauwerke und Denkmäler. Auch historische Bücher können einzigartige Zeugnisse der europäischen Geschichte sein. Sie bewahren Wissen, dokumentieren die Gedankenwelt ihrer Zeit und ermöglichen es, kulturelle, politische und gesellschaftliche Entwicklungen über Jahrhunderte hinweg nachzuvollziehen. Sie sind unverzichtbare Quellen, die das kulturelle Gedächtnis Europas bewahren und für zukünftige Generationen zugänglich machen.
Dieses einzigartige historisches Buch wurde in den Bestand des European Heritage Projects aufgenommen, da es aufgrund seines Alters, seiner Seltenheit, seiner historischen Aussagekraft und seiner besonderen Provenienz einen bedeutenden Beitrag zum Verständnis des europäischen Kulturerbes leistet.
Das European Heritage Project hat sich neben dem Erhalt des Missales dazu entschlossen, es der wissenschaftlichen Forschung zugänglich zu machen. Zu diesem Zweck begrüßte das European Heritage Project kürzlich Expertinnen und Experten der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), der Bayerischen Staatsbibliothek sowie Fachwissenschaftler aus ganz Deutschland aus den Bereichen Sprach- und Handschriftenforschung zu einer ersten gemeinsamen Begutachtung.
In den kommenden Monaten wird das Missale in enger Zusammenarbeit mit den beteiligten Institutionen intensiv untersucht und wissenschaftlich erschlossen. Ziel ist es, Herkunft, Entstehung, sprachliche Besonderheiten und historische Einordnung des Manuskripts umfassend zu dokumentieren.
Im Anschluss ist die vollständige Digitalisierung der Handschrift geplant. Damit soll dieses außergewöhnliche Kulturgut nicht nur langfristig gesichert, sondern auch Forschenden und interessierten Menschen weltweit zur Verfügung gestellt werden